In einem Treffen des Social Impact Camp ging eine gute halbe Stunde für Vorstellung und Rückblick weg. Das Camp ist ein offener Montagabend von Quandes Projects e. V., an dem Freiwillige an gemeinnützigen Vorhaben arbeiten und dabei mit KI umgehen lernen. Alle waren an diesem Abend geduldig, und am Ende hatte niemand etwas gelernt, das sich am nächsten Tag anwenden ließe. Wir haben das Format danach umgebaut.
Wenn du KI-Kompetenz in einer Gruppe aufbauen sollst, ist das die erste Hürde. Die zweite ist der Preis: Ein Anbieter, der gemeinnützige Organisationen ausdrücklich anspricht, verlangt 14 Euro pro Person, gestaffelt bis 5 Euro bei großen Abnahmen.[1] Für einen Verein mit vierzig Ehrenamtlichen sind das bis zu 560 Euro für 30 bis 45 Minuten E-Learning.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Einstieg gehört an eine echte Aufgabe. Ein Beispielfall aus der Schulungsunterlage erzeugt Zustimmung, aber keine Handlung.
- Eine Stunde reicht für den Anfang. Fünf Blöcke mit festen Zeiten, ein Rechner und ein Bildschirm für alle.
- Kompetenz zeigt sich an einer Handlung. Die Frage ist, was jemand danach tun kann, und nicht, welche Wissensstufe erreicht ist.
- Der Aufbau entsteht durch Wiederholung. Alle zwei Wochen dieselbe Stunde mit neuer Aufgabe, und die Sammlung eurer Regeln wächst mit.
- Die Pflicht aus dem EU AI Act ist ein eigenes Thema. Artikel 4 verlangt seit dem Digital Omnibus, KI-Kompetenz zu fördern. Diese Stunde ist eine solche Maßnahme und kein Kompetenznachweis.
Warum ein Vortrag vor der Gruppe nichts hinterlässt
Der Reflex ist verständlich. Wenn zwölf Menschen KI verstehen sollen, lädt man zwölf Menschen ein und erklärt es einmal für alle. So haben wir es zuerst gemacht, und es hat nicht funktioniert.
Zwanzig Minuten Vorstellungsrunde binden bei einer Stunde Treffen ein Drittel der Zeit. Wer neu ist, hört Namen und Projekte, ohne Anknüpfung. Wer länger dabei ist, wartet. Am Ende bleibt die eigentliche Arbeit liegen, und niemand hat einen Handgriff mitgenommen.
Das Format entscheidet darüber, was hängen bleibt. Wer zuhört, bekommt Begriffe, und Begriffe lassen sich zustimmend zur Kenntnis nehmen. Wer selbst einen Auftrag formuliert und das Ergebnis prüft, bekommt eine Erfahrung, und die hält bis zum nächsten Tag. Diese Unterscheidung trägt alles Weitere in diesem Beitrag.

Woran du Kompetenz erkennst
In den Schulungsangeboten steht meist eine Einteilung in drei Ebenen: Grundlagen für alle, Anwendung für bestimmte Rollen, Expertenwissen für Spezialisten. Diese Einteilung ist für ein Unternehmen mit Abteilungen und Stellenbeschreibungen sinnvoll.
Für eine Gruppe von zwölf Freiwilligen ist sie es nicht. Es gibt keine Rollen, an denen sich Anwendungswissen ausrichten ließe, und keine Arbeitszeit, in der ein Grundlagenmodul absolviert wird. Freiwillige kommen aus Interesse, bleiben aus Anschluss und gehen, wenn eine Stunde nichts einbringt.
Deshalb messen wir Kompetenz an einer einzigen Frage. Was kann diese Person nach der Stunde tun, das sie vorher nicht getan hat? Eine Antwort darauf kann klein sein: einen Auftrag so formulieren, dass das Ergebnis prüfbar ist. Ein Ergebnis gegen die Quelle halten. Eine Stelle markieren, an der etwas erfunden wirkt. Das ist Kompetenz, und sie entsteht am Tun.
Die erste Stunde, Block für Block
Der Ablauf braucht eine echte Aufgabe. Nimm etwas, das in der Organisation ohnehin ansteht. Ein Protokoll, das zusammengefasst werden muss, eignet sich gut, ebenso eine Förderausschreibung, die niemand lesen will. Eine erfundene Beispielaufgabe erzeugt Zustimmung, aber keine Übertragung.
10 Minuten Anlass. Die echte Aufgabe liegt auf dem Tisch. Jemand erzählt, warum sie liegen geblieben ist und woran man merken würde, dass sie erledigt ist.
20 Minuten gemeinsam machen. Eine Person tippt, alle sehen auf denselben Bildschirm. Der erste Versuch geht meistens schief, und das ist der wertvollste Teil der Stunde.
15 Minuten prüfen. Was am Ergebnis ist brauchbar, was davon erfunden? Jede Einschätzung wird laut begründet.
10 Minuten festhalten. Eine Regel und ein nächster Schritt, schriftlich, in eine Datei, die alle finden.
5 Minuten Ausblick. Wer bringt in zwei Wochen die nächste Aufgabe mit?
Der Block „gemeinsam machen" trägt die Stunde. Damit klar wird, was darin passiert, hier der Ablauf an einem Protokoll von acht Seiten. Der erste Auftrag lautet „Fasse das zusammen", und was zurückkommt, liest sich gut. Beim Vergleich mit dem Protokoll fällt der Gruppe dann meist auf, dass eine Aussage darin schärfer ausfällt als im Original oder gar nicht darin steht.
Der zweite Auftrag lautet deshalb „Nenne die Beschlüsse und schreibe hinter jeden die Seitenzahl". Jetzt lässt sich jede Zeile in Sekunden nachschlagen, und was ohne Seitenzahl bleibt, ist der Prüffall. Diesen Unterschied zwischen den beiden Aufträgen nimmt jede Person mit, auch wer vorher nie mit einem Sprachmodell gearbeitet hat.
Wenn dabei etwas misslingt, entsteht die Frage nach dem Grund von selbst, und die Antwort darauf ist der Lernstoff. Wer stattdessen ein gelungenes Beispiel vorführt, bekommt Zustimmung ohne Verständnis.

Montags im Camp
Wenn du diese Stunde einmal mitlaufen willst
Im Social Impact Camp arbeiten wir jeden Montagabend an gemeinnützigen Vorhaben, und der Einstieg läuft genau so. Du kannst dazukommen, ohne Vorerfahrung und ohne Kosten.
Beim Camp mitmachenWas du dafür brauchst
Ein Rechner mit großem Bildschirm oder Beamer, dazu eine echte Aufgabe und eine Stunde Zeit. Ein Zugang zu einem Sprachmodell genügt für die ganze Gruppe, weil eine Person tippt und alle mitlesen. Dazu eine Datei für die Notizen, die alle erreichen können.
Das ist die vollständige Liste. Sie enthält kein Konto pro Person, keine Lizenz und keine Anmeldung, und deshalb lässt sich die Stunde in einem Verein durchführen, dessen Haushalt für Fortbildung nichts vorsieht.
Wenn dein Zugang auf einem Rechner läuft, den alle sehen, achte auf die Daten in der Aufgabe. Personenbezogenes gehört nicht in einen Chat, den du nicht kontrollierst. Wähle für die erste Stunde bewusst eine Aufgabe ohne Namen und Adressen.
Von der ersten Stunde zur Gewohnheit
Aus einer Stunde wird Kompetenz durch Wiederholung. Wir haben uns auf einen Zwei-Wochen-Rhythmus festgelegt, weil er nah genug ist, um den Faden zu halten, und weit genug, damit jemand die nächste Aufgabe vorbereiten kann.
Die Datei mit euren Notizen wächst dabei zum wichtigsten Ergebnis. Nach vier Terminen stehen dort acht Regeln, die aus eigener Erfahrung entstanden sind, etwa dass jeder Auftrag eine Quelle mit Seitenzahl verlangt. Das ist der Rohstoff für eine Leitlinie, die zu deiner Organisation passt, und sie ist mehr wert als eine Vorlage aus dem Netz, weil jede Zeile einen Anlass hat.

Wer wissen will, wie du eine Aufgabe für die Stunde zuschneidest, findet den Handgriff in Aufgaben für KI-Agenten zuschneiden. Die Rechtsfrage nach der Schulungspflicht behandeln wir getrennt, weil sie eine eigene Antwort mit Datumsstempel braucht.
Quandes Projects e. V.
Wenn du die Stunde in deiner Organisation ausprobierst
Schreib uns, was dabei herausgekommen ist. Wir sammeln die Erfahrungen und geben sie weiter, damit die nächste Gruppe nicht bei Null anfängt.
Kontakt aufnehmenHäufige Fragen
Häufige Fragen zum Kompetenzaufbau
Reicht eine Stunde für den Einstieg?
Für den Einstieg ja, für Kompetenz braucht es Wiederholung. Nach einer Stunde hat jede Person einmal gesehen, wie ein Auftrag entsteht und woran man das Ergebnis prüft. Das ist mehr als nach einem Grundlagenmodul, weil es an einer echten Aufgabe hängt.
Was mache ich, wenn die Wissensunterschiede groß sind?
Setze die erfahrenste Person an die Tastatur und lass sie laut denken. Wer wenig weiß, folgt dem Ablauf; wer viel weiß, korrigiert und begründet. Das Gefälle wird dadurch zum Motor, weil beide Seiten etwas zu tun haben.
Erfüllt diese Einheit die Schulungspflicht aus dem EU AI Act?
Die Frage ist anders gestellt, als viele Angebote es darstellen. Artikel 4 der KI-Verordnung gilt seit dem 02.02.2025 für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Seit dem 27.07.2026 gilt er in der Fassung des Digital Omnibus und verlangt, KI-Kompetenz durch geeignete Maßnahmen zu **fördern**; ein bestimmtes Kompetenzniveau muss die Organisation ausdrücklich nicht garantieren.[2][3] Diese Stunde ist eine solche Maßnahme, und sie ist kein Nachweis über ein erreichtes Niveau. Was der Rechtsstand für kleine Organisationen bedeutet, behandeln wir in einem eigenen Beitrag mit Datumsstempel.
Welche Werkzeuge brauchen die Teilnehmenden selbst?
Für die erste Stunde keine. Ein Zugang auf einem Rechner reicht, weil gemeinsam gearbeitet wird. Wer danach selbst weitermachen will, kommt mit einem kostenfreien Zugang weit; die Auswahl gehört in die zweite oder dritte Stunde, nicht in die erste.


